Interview mit Jürgen Schachler

Am 1. Juli 2016 hat Jürgen Schachler den Vorstandsvorsitz der Aurubis AG übernommen. Der 62-jährige Manager kommt aus der Stahlbranche und hat viele Jahre beim Stahlkonzern ArcelorMittal gearbeitet. Er verfügt über umfangreiche Managementerfahrungen und verantwortete zuletzt die Flachproduktsparte von ArcelorMittal in Südwesteuropa mit 10.000 Mitarbeitern.

Herr Schachler, die Personalie des Vorstandsvorsitzenden von Aurubis war ja eine Weile vakant, sodass es zu einer Übergangslösung mit Herrn Dr. Drouven aus dem Aufsichtsrat und später Herrn Faust aus dem Aurubis-Vorstand kam. Wie hat man Sie gefunden?

Der erste Kontakt wurde über einen Personalberater hergestellt. Die Nichteisen-Metallindustrie ist ja eine überschaubare Branche, und die Suche nach einem geeigneten Manager stößt allein schon deshalb bald an ihre Grenzen. Naheliegend ist es dann, auch mal in der Stahlindustrie vorbeizuschauen, die ja trotz aller Unterschiede ebenfalls eine Metallbranche ist. Und da hat man mich gefunden.

Die Position des Vorstandsvorsitzenden wurde zum ersten Mal extern besetzt. Ist das für Sie ein besonderer Ansporn?

Das kann ich nicht abstreiten. Ich kann sicher in meinen neuen Job eine Menge Erfahrung aus einem langen Berufsleben sowie dem internationalen Geschäft und dem Miteinander vieler Nationen und Mitarbeiter in einem Weltkonzern einbringen. Was mich an dieser neuen Aufgabe besonders reizt, ist, dass die Gestaltungsmöglichkeiten in einem Unternehmen der Kupferindustrie doch andere sind als in meiner früheren Tätigkeit, in einer Industrie, die vielfach von Umständen getrieben wird, auf die man keinen Einfluss hat. Aurubis ist ein Unternehmen, das ein solides Geschäftsmodell, eine führende Marktposition und eine gesunde Unternehmensentwicklung vorweisen kann. Die 150-jährige Geschichte spricht für sich. Mit dem Jubiläum beginnt aber auch ein neuer Lebensabschnitt von Aurubis – und das in Zeiten, die nicht ruhiger geworden sind. Darauf müssen wir uns einstellen und den Konzern noch krisenfester und zukunftssicherer machen. Das Potenzial dazu ist an vielen Stellen vorhanden.

Das klingt nach viel Arbeit. Gibt es hierbei für Sie Schwerpunkte?

Ich bin jetzt ein gutes halbes Jahr im Unternehmen und habe in dieser Zeit sehr viele Gespräche geführt, das Kennenlernen vertieft und mir einen guten Überblick verschafft. Dabei habe ich viele positive Ansätze gesehen und auch eine Strategie vorgefunden, die meines Erachtens viel Sinn macht. Dennoch halte ich es für richtig, einmal verabschiedete Strategien nicht als in Stein gemeißelte Handlungsvorgaben zu betrachten, sondern sie im Verlauf ihrer Umsetzung selbstkritisch immer wieder zu begutachten und zu hinterfragen. Dies kann nicht von der hohen Warte eines Einzelnen aus geschehen, sondern klappt nur in einem gesteuerten Prozess unter Einbeziehung der verschiedenen Ebenen und Bereiche. Dieser Prozess hat im Herbst begonnen und wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 erste Ergebnisse liefern. Außerdem haben wir noch etliche Projekte im Unternehmen, die ganz konkret dazu dienen, Aurubis noch krisenfester zu machen. In diesem Bericht wird an der einen oder anderen Stelle bereits etwas dazu geschrieben.

„Wir müssen den Konzern noch krisenfester und zukunftssicherer machen. Das Potenzial dazu ist an vielen Stellen vorhanden.“ – Jürgen Schachler

Sie wollen das Unternehmen also noch erfolgreicher machen. Was ist dazu nötig?

Ganz zuvorderst sind es die Mitarbeiter. Ich habe bereits mit vielen gesprochen, und das nicht nur am Konzernsitz in Hamburg. Auch an den anderen Standorten habe ich mir ein Bild von ihrem Denken und von ihren Ansichten machen können. Darüber hinaus haben wir unter den Mitarbeitern konzernweit eine Umfrage gestartet, die uns Aufschluss über die „Gesundheit“ der Organisation geben soll. Wenn ich über Mitarbeiter als Erfolgsfaktor rede, denke ich an ihre Qualifikationen, ihre Motivation. Spüre ich so etwas wie Begeisterung für die Arbeit, die sie machen? Wie ist die Führung und Zusammenarbeit im Unternehmen ausgelegt? Wertschätzend, kooperativ? Und vor allem: Treffe ich auf die Bereitschaft zu lernen, auf den Anspruch: Kann ich noch etwas verbessern? Wenn all das der Fall ist, dann sollte der Erfolg nicht ausbleiben.

Und Sie selbst? Wie würden Sie sich hierbei sehen?

Ich nehme selten extreme Positionen ein, baue vielmehr gern Brücken, suche den unmittelbaren Kontakt zu den Menschen. Ich höre gern zu, wäge ab und versuche im Gespräch, aus unterschiedlichen Meinungen im Miteinander eine gemeinsame Position zu finden. Ich bin ein überzeugter Verfechter von Teamarbeit und halte sie letztlich für erfolgreicher als sogenanntes Einzelkämpfertum.

Herr Schachler, Aurubis ist ja eine Aktiengesellschaft, und die Aktie ist im deutschen M-DAX vertreten. Würden Sie als Privatmann in Aurubis-Aktien investieren?

Ich hatte schon bei meiner Vorstellung während der letzten Hauptversammlung gesagt, dass ich bereits vor dem Erstkontakt mit dem Personalberater in Aurubis-Aktien investiert war. Damals passte der Wert in meine eigene Anlagenstrategie, die u. a. auf Aktien von Unternehmen setzt, die über ein solides Geschäftsmodell verfügen und eine echte Historie haben. Und Aurubis zählte damals dazu. Heute gilt das noch immer.

„Ich höre gern zu, wäge ab und versuche im Gespräch, aus unterschiedlichen Meinungen im Miteinander eine gemeinsame Position zu finden.“
Jürgen Schachler