Geschäftsentwicklung in den Business Units

Business Unit Primärkupfererzeugung

Kennzahlen

T 019
 
in Mio. € 2015/16
operativ
2014/15
operativ
     
Gesamtumsätze 5.325 5.914
EBIT 154 271
EBT 143 256
Investitionen 104 70
Abschreibungen –83 –86
Operativer ROCE 16,4 % 33,2 %
Mitarbeiterzahl (Durchschnitt) 2.750 2.730
    
Vorjahreswerte teilweise angepasst.

Geschäftsverlauf und Ergebnisentwicklung

Die Business Unit (BU) Primärkupfererzeugung produziert aus Kupferkonzentraten und Altkupfer reines Kupfer in Form von Kathoden. Zusätzlich werden Zwischenprodukte anderer Metallhütten verarbeitet. Darüber hinaus sind der BU auch die Erzeugung und Vermarktung von Edelmetallen, Schwefelsäure und Eisensilikat zugeordnet.

Die wesentlichen Produktionsstandorte sind Hamburg (Deutschland) und Pirdop (Bulgarien). In beiden Werken verfügen wir über Schmelzanlagen und Kupferelektrolysen.

Wesentliche Ergebnistreiber der BU Primärkupfererzeugung sind Schmelz- und Raffinierlöhne (TC/RCs), die als Abschläge vom Metalleinkaufspreis für die Umwandlung von Rohstoffen in das Börsenprodukt Kupferkathode und andere Metalle verhandelt werden. Weitere Ergebnisbestandteile sind die Erlöse des Edelmetall- und Schwefelsäureverkaufs, die Kathodenprämie sowie das Metallmehrausbringen.

Das im Geschäftsjahr 2015/16 von der BU Primärkupfererzeugung erzielte operative Ergebnis liegt deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Grund hierfür war unter anderem der geplante umfangreiche Wartungs- und Reparaturstillstand an unserem Hüttenstandort Pirdop, Bulgarien im zweiten Quartal des Kalenderjahres 2016.

Zusätzlich belasteten marktbedingte Faktoren, wie rückläufige Erlöse für die Schwefelsäure, niedrige Raffinierlöhne für Altkupfer und geringere Prämien für Kupferkathoden, das Ergebnis der BU. Auch wirkte sich ein geringeres Metallmehrausbringen bei gefallenen Metallpreisen aus.

Insgesamt erzielte die BU Primärkupfererzeugung im Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT) in Höhe von 143 Mio. €. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einer Ergebnisminderung von 113 Mio. €. Die Umsatzerlöse der Business Unit lagen mit 5.325 Mio. € um 589 Mio. € unter Vorjahresniveau. Dies war im Wesentlichen auf gesunkene Kupferpreise zurückzuführen.

Schmelz- und Raffinierlöhne für Konzentrate auf hohem Niveau

Der internationale Markt für Kupferkonzentrate war im abgelaufenen Geschäftsjahr von einem insgesamt guten Mengenangebot geprägt. Insbesondere das anhaltend hohe Produktionsniveau der Minen, ohne nennenswerte Produktionsausfälle, sorgte für eine gute Versorgung.

Die Schmelz- und Raffinierlöhne für das Langfristgeschäft des Jahres 2016 waren zwar etwas niedriger als im Vorjahr, lagen aber dennoch auf einem hohen Niveau. Im Spotmarkt stiegen die TC/RCs im Jahresverlauf sogar über das Niveau der Langfristbedingungen an. Hierzu trugen neue Projekte in Lateinamerika sowie geringe Produktionsstörungen bei. Der Nachfragedruck nach Konzentraten reinerer Qualität ließ erheblich nach. Die Verfügbarkeit von komplexeren Konzentraten war weiterhin gut.

Wir konnten eine gute Konzentratversorgung unserer Schmelzbetriebe in Hamburg und Pirdop sicherstellen und waren weiterhin in der Lage, zusätzliche langfristige Lieferverträge abzuschließen.

Der Markt für Altkupfer war von rückläufigen und gleichzeitig volatilen Metallpreisen sowie niedrigen Raffinierlöhnen geprägt. Die Versorgung konnte trotz der schwierigen Marktverhältnisse sichergestellt werden.

Das Schwefelsäuregeschäft war schwierig

Das Geschäftsjahr 2015/16 begann am Schwefelsäuremarkt mit einer schwachen globalen Nachfrage in einem saisonal beeinflussten Umfeld. Das Überangebot am Markt, insbesondere in Süd- und Mittelamerika, belastete ferner die Preisentwicklung. Außerdem verschlechterten sich die Absatzmöglichkeiten von Schwefelsäure aus der Produktion von Schmelzhütten durch den Ausbau der Schwefelbrennerkapazitäten. Bis zum Geschäftsjahresende setzte sich der negative Preistrend im Spotmarkt weiter fort.

Durchsatz- und Produktionsmengen blieben stillstandsbedingt hinter den Vorjahreswerten zurück

Eine gute Versorgung mit Kupferkonzentraten und Recyclingmaterialien sicherten während des gesamten Geschäftsjahres die Auslastung unserer Produktionsanlagen. Insgesamt wurden in der BU Primärkupfererzeugung rund 2,2 Mio. t Kupferkonzentrat (Vj. 2,3 Mio. t) verarbeitet. Der Altkupfereinsatz in der BU betrug 91.000 t (Vj. 102.000 t).

Konzentratdurchsatz

Grafik: Konzentratdurchsatz

Die Schwefelsäureproduktion lag analog zum Konzentratdurchsatz mit 2,1 Mio. t leicht unter Vorjahresniveau (Vj. 2,2 Mio. t).

Am Standort Hamburg wurden mehr als 1,1 Mio. t Kupferkonzentrat verarbeitet und damit das Vorjahresniveau erreicht. Am Standort Pirdop lag die Durchsatzmenge mit 1,0 Mio. t unter dem Wert des Vorjahres (Vj. 1,2 Mio. t). Ursache hierfür war der geplante Stillstand, der im zweiten Quartal des Kalenderjahres 2016 durchgeführt wurde.

Die Kathodenproduktion in der BU Primärkupfererzeugung verfehlte mit 584.000 t den Vorjahreswert von 615.000 t. Auch dies war vor allem auf den Stillstand in Pirdop zurückzuführen.

Die Elektrolyse in Hamburg produzierte im Geschäftsjahr 370.000 t (Vj. 383.000 t) Kathoden, unter anderem wegen einer geringeren Zulieferung von Kupferanoden aus Pirdop und leicht geringerer Kupfergehalte im verarbeiteten Konzentrat. Die Elektrolyse in Pirdop erreichte stillstandsbedingt eine Produktionsmenge von 214.000 t (Vj. 232.000 t).

Die Edelmetallproduktion entwickelte sich unterschiedlich: Die produzierte Silbermenge lag mit 961 t über dem Vorjahreswert von 958 t, bei Gold ging die Produktion von 45 t auf 42 t zurück. Dies war zurückzuführen auf den geringeren Durchsatz an Kupferkonzentraten sowie auf geringere Goldgehalte in den Vorstoffen.

Silberproduktion

Grafik: Silberproduktion

Goldproduktion

Grafik: Goldproduktion

Investition

Die BU Primärkupfererzeugung investierte im vergangenen Geschäftsjahr 104 Mio. €.

Der Schwerpunkt der Investitionen lag auf dem geplanten Produktionsstillstand in Bulgarien.

Weitere Investitionen in der BU wurden für die Verbesserung des Umweltschutzes und in die Infrastruktur der Standorte getätigt.

Investitonen BU Primärkupfererzeugung

Grafik: Investitonen BU Primärkupfererzeugung

Business Unit Kupferproduktion

Kennzahlen

T 020
 
in Mio. € 2015/16
operativ
2014/15
operativ
     
Gesamtumsätze 7.531 8.586
EBIT 106 138
EBT 101 130
Investitionen 40 41
Abschreibungen –44 –44
Operativer ROCE 9,7 % 12,4 %
Mitarbeiterzahl (Durchschnitt) 3.335 3.330
     
Vorjahreswerte teilweise angepasst.

Geschäftsverlauf und Ergebnisentwicklung

Die Business Unit (BU) Kupferprodukte produziert und vermarktet qualitativ hochwertige Kupferprodukte, wie Gießwalzdraht, Stranggussformate, Vorwalz- und Fertigbänder sowie Spezialprofile. Hierfür werden überwiegend selbst erzeugte Kupferkathoden verwendet. Außerdem setzen wir zur Herstellung von Walzerzeugnissen auch Recyclingkupfer ein. Der Bereich Recycling und die Standorte Lünen und Olen sind ebenfalls der BU Kupferprodukte zugeordnet.

Kupfergießwalzdraht der Marke AURUBIS ROD ist das volumenstärkste Kupferprodukt im Portfolio. Er zeichnet sich durch besonders hohe elektrische Leitfähigkeit aus, lässt sich sehr gut verarbeiten, weist eine ausgezeichnete Oberfläche auf und ist damit ein bevorzugtes Vorprodukt für die Kabel- und Drahtindustrie sowie für spezielle Halbzeuge. Aurubis verfügt in diesem Marktsegment über eine weltweit führende Position und produziert AURUBIS ROD mit modernster Anlagentechnik an vier Standorten: Hamburg (Deutschland), Olen (Belgien), Avellino (Italien) und Emmerich (Deutschland).

Die Marke AURUBIS SHAPES fasst unterschiedliche Kupferstranggussformate als Vorprodukte für Halbzeug- und Rohrwerke zusammen. Höchste Stückgewichte, spezielle Abmessungen und besondere Kupferwerkstoffe sind unsere Spezialität. Einen wesentlichen Teil der Produktion von AURUBIS SHAPES liefern wir direkt an unsere Tochtergesellschaft Schwermetall Halbzeugwerk GmbH (Aurubis-Anteil 50 %), die ihrerseits Vorwalzbänder für zahlreiche Halbzeugunternehmen weltweit produziert.

Fertigbänder werden in Stolberg (Deutschland), Pori (Finnland), Zutphen (Niederlande) und Buffalo (USA) hergestellt. In Stolberg produzieren wir Profildrähte für die Elektroindustrie. Außerdem fertigt Aurubis Belgien in Olen Kupferstangen und -profile.

Im Recyclingwerk Lünen produzieren wir hochwertige Kupferkathoden aus einer Vielfalt von Recyclingrohstoffen, darunter auch Elektro- und Elektronikschrotte sowie andere komplexe Materialien. Am Standort Olen bestehen ebenfalls Recyclingaktivitäten und eine Elektrolyse zur Produktion von Kupferkathoden.

Wesentliche Ertragskomponenten innerhalb der BU Kupferprodukte sind neben den Kathodenprämien vor allem die sogenannten Formataufpreise, die für die Veredelung von Kupferkathoden zu Kupferprodukten erhoben werden. Im Recyclinggeschäft sind es vor allem die Raffinierlöhne (Abschlag vom Metalleinkaufspreis) und ein Metallmehrausbringen, über die Erträge generiert werden.

Insgesamt erreichte die BU Kupferprodukte im Geschäftsjahr 2015/16 ein operatives Ergebnis vor Steuern (EBT) in Höhe von 101 Mio. € (Vj. 130 Mio. €).

Zum Ergebnis der BU Kupferprodukte, das unter dem des Vorjahres lag, haben folgende Entwicklungen beigetragen:

Die Kathodenprämie für 2016 wurde von 110 US$/t im Vorjahr auf 92 US$/t herabgesetzt.

Der Absatz von Gießwalzdraht zeigte bis zum dritten Quartal des Geschäftsjahres eine stabile Entwicklung und schwächte sich im vierten Quartal ab. Der Bereich Stranggussformate lag leicht über Vorjahresniveau. Die Formataufpreise zeigten sich in beiden Bereichen auf einem guten Niveau. In der Business Line Flat Rolled Products lag das Absatzvolumen ebenfalls auf Vorjahresniveau.

Das Recycling in Lünen und Olen stand unter dem Einfluss eines knappen Angebots an Altkupfer mit entsprechend niedrigen Raffinierlöhnen. Fehlmengen konnten durch den Einsatz von Blisterkupfer mehr als kompensiert werden. Hier lagen die Raffinierlöhne aber ebenfalls niedrig.

Produktmärkte

Die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2015/16 zeichnete sich durch eine hohe Nachfrage nach Kupferprodukten aus. Die Erholung der südeuropäischen Märkte setzte sich fort, das inländische Marktumfeld war stabil. Im weiteren Jahresverlauf zeigte sich jedoch der Einfluss des gesunkenen Rohölpreises und der damit verbundenen Wirtschaftskrise im Mittleren Osten.

Der Bedarf an Kupfergießwalzdraht blieb weiterhin – getragen von allen Kernbranchen – sehr stark. Bei Stranggussformaten konnten wir einen positiven Absatzverlauf verzeichnen, obwohl das Geschäft mit Walzprodukten sich zunächst eintrübte.

Die Nachfrage nach Flachwalzprodukten entwickelte sich in einzelnen Märkten unterschiedlich. Während insbesondere die Automobil- und Elektronikindustrie zulegten, war die Nachfrage im Kühlerbausegment aufgrund mangelnder Investitionsimpulse rückläufig.

Recyclingmärkte

Der Altkupfermarkt war im Geschäftsjahr von schwierigen Verhältnissen gekennzeichnet. Aufgrund niedriger Preise für Stahl- und Aluminiumschrotte verringerten sich die Sammelaktivitäten insgesamt deutlich. Dies betraf auch Kupfer, das zusammen mit Aluminium und Stahlschrott gesammelt wird.

Der Rückgang des Kupferpreises und die wachsende Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Metallpreise sowie eine geringe Verfügbarkeit auf vorgelagerten Stufen der Recyclingkette führten zu einem restriktiven Abgabeverhalten des Handels. Die erzielbaren Raffinierlöhne gerieten unter Druck und stagnierten auf einem niedrigen Niveau.

Die Produktionsanlagen wurden trotz der schwierigen Marktsituation ausreichend versorgt.

Bei komplexen Recyclingmaterialien, die geringere Kupferanteile aufweisen und weitere Nichteisenmetalle sowie Edelmetalle enthalten, war eine stärkere Nachfrage des Wettbewerbs, insbesondere aus Asien, zu beobachten. In diese Kategorie von Rohstoffen fallen z. B. industrielle Reststoffe sowie Elektro- und Elektronikschrotte. Größere Verfügbarkeitsschwankungen traten nicht auf.

Altkupfereinsatz im Konzern

Grafik: Altkupfereinsatz im Konzern

Produktion

AURUBIS ROD mit stabiler Produktion

Auf den vier Anlagen des Konzerns wurden 758.000 t AURUBIS ROD im Geschäftsjahr 2015/16 hergestellt (Vj. 764.000 t).

Gießwalzdrahtproduktion

Grafik: Gießwalzdrahtproduktion

AURUBIS SHAPES mit geringfügig höherer Produktion

Insgesamt erreichte AURUBIS SHAPES im Geschäftsjahr eine Produktion von 172.000 t. Dies bedeutete im Vergleich zum Vorjahr (170.000 t) einen Zuwachs von 1 %. Unser Fokus auf Sonderlegierungen wurde weiter verstärkt.

Stranggussproduktion

Grafik: Stranggussproduktion

Flachwalzprodukte stabil

Im Geschäftsjahr 2015/16 lag die Produktion von Flachwalzprodukten mit 208.000 t auf dem Vorjahresniveau (Vj. 207.000 t). An allen Standorten wurde weiter an der Umsetzung der Programme zur Effizienzverbesserung und zur Produktivitäts- und Qualitätserhöhung gearbeitet.

Produktion von Stangen und Profilen entwickelte sich positiv

Die Produktion von Stangen und Profilen stieg um 9 % auf 12.400 t (Vj. 11.400 t). Hierzu trugen Verbesserungen in der Betriebsleistung und eine Stärkung der Marktposition bei.

Kathodenproduktion konnte Vorjahreswert nicht erreichen

Die Kathodenproduktion der BU Kupferprodukte blieb im Geschäftsjahr 2015/16 hinter der Erwartung zurück. Sie lag im Werk Lünen bei 177.000 t (Vj. 187.000 t), in Olen bei 322.000 t (Vj. 336.000 t). Ursachen für den Rückgang waren die geringere Produktion von Kupferanoden (Stillstand Pirdop) und die unzureichende Verfügbarkeit von Altkupfer am Markt.

Kathodenproduktion im Konzern

Grafik: Kathodenproduktion im Konzern

Kathodenproduktion im Konzern nach Standorten

Grafik: Kathodenproduktion im Konzern nach Standorten

Recycling geprägt von knappem Angebot an Altkupfer

Der Altkupfermarkt war im Geschäftsjahr 2015/16 von einer geringen Mengenverfügbarkeit gekennzeichnet. Dies hat sich auf den Mengeneinsatz in unseren Recyclinganlagen negativ ausgewirkt, sodass der Altkupfereinsatz nur 162.000 t betrug (Vj. 192.000 t). Die Fehlmenge wurde durch den Einsatz von Blisterkupfer überkompensiert.

Der Einsatz von komplexen Recyclingmaterialien im Kayser Recycling System (KRS) am Standort Lünen erreichte im Geschäftsjahr 2015/16 254.000 t und lag damit ebenfalls unter dem Vorjahreswert von 269.000 t. Dies ist auf einen veränderten Einsatzmix zugunsten ertragreicherer Materialien zurückzuführen.

Investition

Der Investitionsaufwand in der BU Kupferprodukte lag im Geschäftsjahr 2015/16 bei 40 Mio. €.

Schwerpunkte der Investitionen in der BU war die Verbesserung in den Bereichen Effizienz, Energie, Umweltschutz, Produktqualität und Infrastruktur.

Investitionen BU Kupferprodukte

Grafik: Investitionen BU Kupferprodukte