Entwicklung auf den geschäftsrelevanten Märkten

Allgemeiner Kupfermarkt

Dem Kupfermarkt wird von Ananlysten auf die wir uns beziehen, für 2017 das Potenzial für eine moderate Kurserholung zugeschrieben. Bereits in den ersten Wochen des neuen Geschäftsjahres konnte sich der Kupferpreis an der London Metal Exchange auf bis zu 5.600 US$/t (Settlement) Mitte November erholen.

Wesentlich für die fundamentale Gesamtsituation des Kupfermarktes 2017 wird es sein, ob sich die diesjährig unverhältnismäßig gute Produktionsentwicklung auch im kommenden Jahr fortsetzen kann. Die International Copper Study Group (ICSG) rechnet für 2017 mit einem Anstieg der Weltproduktion von raffiniertem Kupfer in der Größenordnung von 2 %. Der eine oder andere Analyst hält die Produktionsseite für weniger stabil als 2016. Angeführt werden mögliche Streiks, technische Störungen oder Wartungsstillstände, die sich ungünstig auswirken könnten. Andererseits dürfte die Marktversorgung mit dem Rohstoff Kupferkonzentrat erneut für eine gute Produktionsauslastung sorgen. Zudem wird es in China neue bzw. erweiterte Hüttenkapazitäten geben, die zusätzlich zur Produktion von raffiniertem Kupfer beitragen werden. Mögliche Ausfälle könnten damit kompensiert werden.

Auf der Nachfrageseite des Kupfermarktes bleibt China führend: Auf das Land entfallen etwa 45 % des weltweiten Bedarfs an raffiniertem Kupfer. Die International Copper Association hält eine Steigerung der Kupfernachfrage Chinas im laufenden Fünf-Jahresplan, angesichts ambitionierter wirtschaftlicher Wachstumspläne, um bis zu 15 % für möglich. Für 2017 rechnen Analysten mit einer Steigerung um 4 bis 5 %. Eine Schlüsselbranche wird dabei erneut die Energieversorgung des Landes sein, die auf erneuerbare Energien setzt. Auch aus dem Immobiliensektor und dem steigenden Bedarf an E-Automobilen kommen Nachfrageimpulse. Schon 2016 war der Bedarf des Landes unterschätzt worden. Insgesamt wird der weltweite Nachfrageanstieg 2017 bei etwa 1 bis 3 % gesehen.

Die sichtbaren Kupferbestände bei Metallbörsen waren zu Beginn des neuen Geschäftsjahres insgesamt nicht als übertrieben hoch einzustufen, zumal im Oktober 2016 wieder verstärkt Mengen aus den vorher belieferten asiatischen LME-Lagerhäusern abgezogen wurden. Gleichzeitig haben die Kupfermengen in chinesischen Zolllagern abgenommen.

Größere Produktionsüberschüsse von raffiniertem Kupfer sind 2017 nicht zu erwarten. Die ICSG errechnet einen Produktionsüberschuss von rund 160.000 t, was angesichts eines Marktvolumens von fast 24 Mio. t kaum von Relevanz ist. Dies gilt auch für ähnliche Einschätzungen von anderen Marktforschungsinstituten. Das International Wrought Copper Council (IWCC) und andere sehen den internationalen Kupfermarkt 2017 weitgehend in Balance zwischen Produktion und Nachfrage.

Auf dieser Basis dürfte der Kupferpreis 2017 weitgehend nach unten abgesichert sein und ein begrenztes Potenzial nach oben haben. Schon 2016 war zu beobachten gewesen, dass Kursausschläge unter 4.600 US$/t wiederholt zu Kaufinteresse führten. Kursvolatilität wird allerdings weiterhin ein Merkmal des Marktes bleiben.

Märkte für Kupferkonzentrate und Schwefelsäure

Die Versorgung mit Rohstoffen zur Produktion von Kupfer umfasst bei Aurubis zu einem großen Teil Kupferkonzentrate. Für diese existiert ein Weltmarkt, an dem Minenunternehmen, Händler und Primärhütten aktiv sind. Bei den Primärhütten handelt es sich überwiegend um solche, die keine eigenen Minen oder Minenbeteiligungen besitzen. Kupferkonzentrate werden bei Aurubis zumeist über langfristige Bezugsverträge beschafft. Die hier vereinbarten Schmelz- und Raffinierlöhne orientieren sich jährlich an der sogenannten Benchmarks für reinere Qualitäten, weichen aber je nach Komplexität davon ab. Als Benchmark kann der erste größere Vertragsabschluss zur Lieferung im Gesamtjahr 2017 zwischen einer Mine und einer Konzentrathütte gelten.

Die internationalen Märkte für Kupferkonzentrate dürften auch im neuen Geschäftsjahr von einer guten Mengenversorgung gekennzeichnet sein. Erneut wird sich die Inbetriebnahme von Erweiterungskapazitäten und neuen Minenprojekten positiv auf die Verfügbarkeit von Mengen auswirken. Produktionsschwierigkeiten bei Minen oder nicht absehbare Ereignisse wie Streiks, technische Störungen, Energieengpässe und extreme Wetterverhältnisse können das Mengenangebot allerdings negativ beeinflussen.

Die Schmelz- und Raffinierlöhne für Spot-Verschiffungen von Kupferkonzentrat lagen zu Beginn des neuen Geschäftsjahres auf einem hohen Niveau. Es zeichnet sich ab, dass die TC/RC-Benchmark für Jahresverträge 2017 über reinere Konzentrate, mit hoher Wahrscheinlichkeit, unter der des Jahres 2016 liegen wird. Unsere laufenden Vertragsverhandlungen für das Jahr 2017 sind noch nicht vollständig abgeschlossen.

Bei Schwefelsäure, die wir im Rahmen der Konzentratverarbeitung als Kuppelprodukt herstellen, ist eine qualifizierte Preisprognose über das Jahr hinweg nicht möglich. Die Marktentwicklung ist hier volatil und hängt sowohl von der Angebotssituation als auch von der Nachfrage der Düngemittelindustrie und der Minenindustrie ab. Auf der Produktionsseite beeinflusst eine gute Produktionsauslastung bei Konzentrathütten der Metallindustrie und bei Schwefelbrennern das Angebot. Kurzfristige auch unter saisonalen Einflüssen stehende Preisveränderungen sind deshalb nicht ungewöhnlich.

Märkte für Kupferprodukte und Recycling

Die Lage an den Märkten für Kupferprodukte dürfte in den kommenden Monaten wesentlich davon abhängen, wie sich die Gesamtwirtschaft in Europa entwickelt und wie sich die einzelnen Branchenkonjunkturen darstellen werden. Es zeichnen sich folgende Entwicklungen ab:

Für den weltweiten Elektro-Markt 2017 geht der Zentralverband der elektrotechnischen Industrie (ZVEI) von einem Wachstum in Höhe von 4 % aus. Die Industrieländer tragen mit plus 2 % dazu bei, die wesentlichen Impulse geben aber die Schwellenländer, wo das Wachstum bei 5 % gesehen wird. Im Kernmarkt Europa, der 19 % des Weltmarktes ausmacht, sieht der ZVEI das Branchenwachstum bei 3 %.

Die Nachfrage nach PKW in Europa ist nach Angaben der European Automobile Manufacturers‘ Association in den ersten neun Monaten 2016 um 8 % gestiegen. Die fünf größten regionalen Einzelmärkte zeigten dabei ein solides Wachstum. Es spricht zurzeit wenig dafür, dass sich dies 2017 grundlegend ändern wird.

In der deutschen Bauindustrie hält der Aufschwung an. Wie ihr Hauptverband mitteilt, lag die Reichweite der Auftragsbestände zuletzt bei durchschnittlich 3,6 Monaten, wobei die Nachfrage nach Bauleistung als ungebrochen bezeichnet wird. Das Orderplus für die ersten sieben Monate 2016 lag bei nominal 16,9 %. Auch hier kann derzeit von einer Fortsetzung der guten Entwicklung ausgegangen werden.

Basierend auf diesen Prognosen erwarten wir in den drei genannten wichtigsten Branchen der Kupferanwendung im Jahr 2017 eine stabile wirtschaftliche Entwicklung. Politische und konjunkturelle Risiken bestehen jedoch fort und können die jeweilige Marktlage verändern.

Die Wirtschaft in den USA, deren Entwicklung für unser dortiges Werk von hoher Bedeutung ist, könnte sich laut IWF 2017 weiter erholen. Dies könnte das dortige Kupfergeschäft unterstützen.

Bei Kupfergießwalzdraht ist das erste Quartal eines neuen Geschäftsjahres üblicherweise, saisonal bedingt, von einem etwas schwächeren Geschäft gekennzeichnet. Diese Entwicklung erwarten wir auch für das neue Geschäftsjahr 2016/17. Durch den niedrigen Rohölpreis haben sich zudem Projekte im Mittleren Osten zeitlich verschoben. Dies berührte auch das Geschäft der lokalen Kabelproduzenten, was zu einer leichten Abschwächung des dortigen Bedarfs geführt hat. Wir gehen aber von einer Rückkehr zu stabilen Verhältnissen ab Januar 2017 aus. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnen wir darüber hinaus in den Bereichen Kabel- und Drahtindustrie sowie Automotive mit einer ebenfalls weitgehend stabilen Nachfrage.

Hinsichtlich der Marktentwicklung bei Kupferstranggussformaten erwarten wir eine Fortsetzung des Bedarfstrends hin zu hochwertigen Spezialprodukten. Bei Standardprodukten dürfte die zunehmende Marktkonsolidierung anhalten. Auch in diesem Gesamtsektor gehen wir von einer stabilen Entwicklung der Nachfrage aus.

Im europäischen Markt für Flachwalzprodukte erwarten wir eine leicht verbesserte Nachfragesituation mit Wachstumschancen in einzelnen Teilbereichen. In Nordamerika rechnen wir mit einem kaum veränderten Marktumfeld.

In der Business Line Bars & Profiles liegt der Fokus auf neuen Produktentwicklungen, mit denen wir unseren Marktauftritt verbessern wollen. Gezielt ist an eine Erweiterung des Produktportfolios mit höherwertigen Spezialprodukten gedacht.

Im Bereich Recycling, der organisatorisch der BU Kupferprodukte zugeordnet ist, gestaltet sich eine Prognose schwierig, da wesentliche Teilmärkte von Spotgeschäften gekennzeichnet sind. Veränderungen können hier sehr schnell wirksam werden.

Für Altkupfer hat sich die Marktsituation nach dem Ende des Geschäftsjahres 2015/16 durch den Anstieg der Kupferpreise verbessern können. Wir gehen aufgrund unserer Marktdurchdringung davon aus, auch in Situationen mit geringerer Mengenverfügbarkeit, unsere Anlagen versorgen zu können.

Die Verfügbarkeit an komplexen Recyclingmaterialien, zu denen auch Elektro- und Elektronikschrotte gehören, unterliegt grundsätzlich anderen Rahmenbedingungen und weniger kurzfristig wirksam werdenden Veränderungen. Bei komplexen Recyclingmaterialien hat sich die zufriedenstellende Situation bisher nicht wesentlich verändert.