26. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Für die betriebliche Altersversorgung der beschäftigten Mitarbeiter bestehen im Aurubis-Konzern sowohl leistungs- als auch beitragsorientierte Zusagen.

Die Mehrzahl der im Aurubis-Konzern vorhandenen leistungsorientierten Zusagen bestehen in Deutschland sowie den USA (Defined Benefit Plans). Zum einen handelt es sich um einzelvertraglich ausgestaltete Direktzusagen. Zum anderen gewährt der Konzern leistungsorientierte Versorgungszusagen innerhalb von Kollektivplänen. Hierbei kommen sowohl rückstellungs- als auch extern finanzierte Versorgungssysteme zur Anwendung.

In Deutschland gewährt der Konzern seinen versorgungsberechtigten Mitarbeitern sowohl Pensionsleistungen als auch Leistungen der Invaliden- und Hinterbliebenenversorgung. Die Durchführung erfolgt zu einem wesentlichen Teil über Pensions- und Unterstützungskassen, deren Vermögen ausschließlich für die Abwicklung der Pensionsverpflichtungen des Aurubis-Konzerns verwendet werden darf.

In der Regel bestimmt sich die Höhe der Rentenleistung pro anrechnungsfähiges Dienstjahr als prozentualer Anteil an einem pensionsfähigen Gehalt. In Deutschland erfolgt alle drei Jahre eine Überprüfung der Renten und ggf. eine Anpassung entsprechend der Preisindexentwicklung.

In Deutschland wurde die betriebliche Altersversorgung für neu eintretende Mitarbeiter auf beitragsorientierte Zusagen umgestellt. Die Durchführung erfolgt über eine externe Pensionskasse sowie eine Versicherung.

Darüber hinaus gewährt eine Tochtergesellschaft in den USA ihren Mitarbeitern unter bestimmten Alters- bzw. Betriebszugehörigkeitsvoraussetzungen sowohl Pensionsleistungen als auch Gesundheitsfürsorge- und Lebensversicherungsleistungen für die Zeit nach der Pensionierung. Diese Altersversorgungsleistungen basieren auf Sammelvereinbarungen, die ausschließlich gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter umfassen. Es handelt sich um lebenslange Pensionsleistungen, deren Höhe an den Beschäftigungszeitraum gebunden ist. Eine Gehaltsabhängigkeit in Bezug auf die Leistungshöhe besteht nicht. Die Gesundheitsfürsorgeleistungen werden nach dem Ausscheiden der Mitarbeiter bis zu einem festgeschriebenen Mindestalter erbracht. Während die Pensionszusagen im Wesentlichen durch ausgesonderte Vermögenswerte eines Pensionsfonds finanziert werden, besteht für die Gesundheitsfürsorge- und Lebensversicherungsleistungen in den USA kein gesondertes Fondsvermögen.

Für sämtliche Versorgungsverpflichtungen im Konzern wurden versicherungsmathematische Gutachten eingeholt, die unter Berücksichtigung einer konzernweit einheitlichen Bilanzierung den länderspezifischen Besonderheiten Rechnung tragen.

Neben der Zugrundelegung der „Richttafeln 2005G“ von Prof. Dr. Klaus Heubeck waren folgende Marktzinssätze, Lohn-/Gehalts- und Rententrends Grundlage für die Berechnung der Pensionsverpflichtungen:

T 073
     
in % 30.09.2016 30.09.2015
     
Rechnungszinsfuß 1,10 2,40
Erwartete Einkommensentwicklung 2,75 3,00
Erwartete Rentenentwicklung 1,60 1,80

Für die Bewertung der Pensionsrückstellung der Aurubis Buffalo Inc., Buffalo, wurde die Annahme eines Rechnungszinsfußes von 3,37 % (Vj. 4,06 %) zugrunde gelegt. Einkommens- und Rentenentwicklung sind für die Berechnung der Pensionsverpflichtungen der US-amerikanischen Tochtergesellschaft nicht relevant.

Die in der Konzernbilanz ausgewiesene Netto-Pensionsrückstellung für leistungsorientierte Pensionszusagen zum 30. September 2016 bzw. zum 30. September 2015 stellt sich wie folgt dar:

T 074
     
in T€ 30.09.2016 30.09.2015
     
Barwert der Versorgungszusagen 638.439 542.981
davon fondsfinanziert 496.440 417.974
– Zeitwert des Planvermögens 316.439 321.209
 
Netto-Bilanzwert am 30. September 322.000 221.772
 
davon: bilanziert als Aktiva 0 0
davon: bilanziert als Passiva 322.000 221.772

Die Nettoschuld für Leistungszusagen unter Berücksichtigung separater Überleitungen für den Barwert der definierten Leistungsverpflichtung sowie das Planvermögen lässt sich wie folgt herleiten:

Entwicklung Barwert der Versorgungszusagen

T 075
 
in T€ 30.09.2016 30.09.2015
     
Barwert der rückstellungsfinanzierten Leistungsverpflichtungen 125.007 123.744
Barwert der fondsfinanzierten Leistungsverpflichtungen 417.974 431.929
     
Barwert der Versorgungszusagen zum 01.10. 542.981 555.673
Effekte aus der Übertragung von Verpflichtungen 4.982 0
Laufender Dienstzeitaufwand 11.186 11.595
Verlust aus Planabgeltungen 82 130
Zinsaufwand auf die Verpflichtungen 13.954 14.474
Neubewertungen 103.066 –251
Versicherungsmathematische Gewinne/Verluste aus demografischen Annahmen –360 3.609
Versicherungsmathematische Gewinne/Verluste aus finanziellen Annahmen 106.797 –979
Versicherungsmathematische Gewinne/Verluste aus erfahrungsbedingter Anpassung –3.371 –2.881
Gezahlte Versorgungsleistungen –21.051 –22.176
Auszahlungen für Planabgeltungen –16.910 –25.422
Währungsdifferenz 149 8.958
 
= Barwert der Versorgungszusagen zum 30.09. 638.439 542.981

Der Barwert der Versorgungszusagen beinhaltete Verpflichtungen einer US-amerikanischen Tochtergesellschaft in Höhe von 58.930 T€ (Vj. 66.539 T€), wobei 16.874 T€ (Vj. 16.881 T€) auf Gesundheitsfürsorge- und Lebensversicherungszusagen entfielen.

Der Verlust aus Planabgeltungen resultierte aus der Übertragung von Verpflichtungen aus dem Versorgungsplan der US-amerikanischen Tochtergesellschaft an eine externe Versicherungsgesellschaft.

Enwicklung Planvermögen

T 076
     
in T€ 2015/16 2014/15
     
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens zum 01.10. 321.209 325.034
Effekte aus der Übertragung von Vermögenswerten 4.460 0
Zinserträge 8.484 8.853
Neubewertungseffekte 7.873 16.472
Gezahlte Versorgungsleistungen –14.298 –16.477
Auszahlungen für Planabgeltungen –16.910 –25.422
Beiträge des Arbeitgebers 5.376 5.782
Währungsdifferenz 245 6.967
 
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens zum 30.09. 316.439 321.209

Entwicklung Nettoschuld

T 077
     
in T€ 2015/16 2014/15
     
Nettoschuld zum 01.10. 221.772 230.639
Verlust aus der Übertragung von Verpflichtungen 522 0
Laufender Dienstzeitaufwand 11.186 11.595
Verlust aus Planabgeltungen 82 130
Nettozinsergebnis 5.470 5.621
Neubewertungseffekte 95.193 –16.723
Gezahlte Versorgungsleistungen –6.753 –5.699
Arbeitgeberbeiträge zum Plan –5.376 –5.782
Währungsdifferenz –96 1.991
 
Nettoschuld zum 30.09. 322.000 221.772

Die Neubewertungseffekte werden erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis erfasst und im erwirtschafteten Konzerneigenkapital ausgewiesen. Das Nettozinsergebnis wird innerhalb der Zinsaufwendungen ausgewiesen. Die übrigen Komponenten des Pensionsaufwands (laufender und nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand sowie der Verlust aus Planabgeltungen) werden dagegen im Personalaufwand erfasst.

In Deutschland werden die leistungsorientierten Pensionspläne im Wesentlichen über die Durchführungswege der Pensionskasse sowie der Unterstützungskasse verwaltet. Die Pensionskasse steht dabei unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Richtlinien in Bezug auf das Kapitalanlagenportfolio der Pensionskasse werden durch die „Verordnung über die Anlage des gebundenen Vermögens von Versicherungsunternehmen (Anlageverordnung)“ bestimmt. So ergibt sich die zulässige quantitative Streuung und Mischung der Kapitalanlagen für die Pensionskasse aus der Anlageverordnung. Ein Großteil des Vermögens der Pensionskasse ist in einem segmentierten Spezialfonds investiert. Die Berechnung der Beiträge erfolgt nach dem jeweils gültigen technischen Geschäftsplan.

Die Risikokapitalanlagen (Eigenkapitalinstrumente und Schuldinstrumente mit einem geringeren Rating als Investment Grade) dürfen maximal 35 % des Buchwerts des Sicherungsvermögens betragen. Die Immobilienquote beträgt 25 % des Buchwerts des Sicherungsvermögens. Derivate werden im Wesentlichen nur zum Zwecke der Absicherung eingesetzt. Dem Langlebigkeitsrisiko wird nach Prüfung durch den Aktuar ggf. durch eine Anpassung der biometrischen Parameter Rechnung getragen.

Die Unterstützungskasse orientiert sich hinsichtlich der zulässigen Kapitalanlagen ebenfalls an der Anlagenverordnung. Die Zuwendungen erfolgen im Rahmen der steuerlichen Möglichkeiten.

In den USA wird der leistungsorientierte Pensionsplan durch ausgelagertes Fondsvermögen finanziert. Die Investmentstrategie strebt in den USA eine Verteilung der Planvermögenswerte zu 60 % auf Aktien und 40 % auf festverzinsliche Wertpapiere an. Zur Vermeidung einer nicht kontrollierbaren Risikokonzentration ist eine Investition in übrige Vermögensklassen (z. B. Commodities, Immobilien, Wagniskapital) nicht zulässig.

Das Planvermögen im Konzern setzt sich wie folgt zusammen:

T 078
     
in T€ 30.09.2016 30.09.2015
     
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 16.464 10.030
Eigenkapitalinstrumente 50.532 56.623
Schuldinstrumente 114.488 126.792
Immobilien 127.247 119.160
Rückdeckungsversicherungen 3.279 2.875
Sonstiges kurzfristiges Nettovermögen 4.429 5.729
 
Summe Planvermögen 316.439 321.209

Das Planvermögen enthält weder eigene Finanzinstrumente noch selbstgenutzte Immobilien. Die über Wertpapierfonds gehaltenen Eigenkapital- und Schuldinstrumente werden in der Übersicht den entsprechenden Anlageklassen zugeordnet.

Für die Eigenkapitalinstrumente stehen infolge ihrer jeweiligen Notierung an einem aktiven Markt in der Regel Marktpreise zur Verfügung. Der beizulegende Zeitwert in Höhe von 50.532 T€ (Vj. 56.623 T€) entfiel mit 20.272 T€ (Vj. 27.054 T€) auf Planver-mögen einer US-amerikanischen Tochtergesellschaft.

Auch die Schuldinstrumente werden regelmäßig an einem aktiven Markt gehandelt. Der beizulegende Zeitwert in Höhe von 114.488 T€ (Vj. 126.792 T€) entfiel mit 13.436 T€ (Vj. 18.210 T€) auf Planvermögen einer US-amerikanischen Tochtergesellschaft.

Immobilien werden direkt gehalten und befinden sich ausschließlich im Inland. Es existieren keine Marktpreise an einem aktiven Markt.

Im Zusammenhang mit den leistungsorientierten Pensionsplänen ist die Gesellschaft verschiedenen Risiken ausgesetzt. Die Gesellschaft ist insbesondere den allgemeinen versicherungstechnischen Risiken wie dem Langlebigkeitsrisiko, Zinssatzänderungsrisiko und im geringeren Maße dem Inflationsrisiko ausgesetzt.

Sensitivitätsbetrachtung

Die nachfolgende Sensitivitätsanalyse zeigt die Auswirkung von Parameteränderungen auf den Barwert der leistungsorientierten Verpflichtungen. Jede Änderung einer wesentlichen versicherungsmathematischen Annahme wurde separat analysiert, d. h., bei der Variation eines Parameters wurden die übrigen Parameter konstant gehalten. Mögliche Korrelationseffekte zwischen den einzelnen Annahmen wurden dabei nicht berücksichtigt:

T 079
 
    Auswirkung auf Verpflichtung
    30.09.2016 30.09.2015
in T€ Para-
meter-
änderung
Anstieg Absenkung Anstieg Absenkung
           
Rechnungszins +/– 50
Basispunkte
–52.939 59.590 –40.804 45.396
Erwartete Einkommensentwicklung +/– 50
Basispunkte
11.882 –12.325 9.057 –9.513
Erwartete Rentenentwicklung +/– 50
Basispunkte
36.471 –34.278 27.133 –25.783
Lebenserwartung +/– 1
Jahr
29.212 –30.242 22.021 –23.125

Zukünftig werden folgende Fälligkeiten der undiskontierten Zahlungen für Pensionen erwartet:

T 080
     
in T€ 30.09.2016 30.09.2015
     
Weniger als 1 Jahr 21.323 21.532
Zwischen 1 und 5 Jahren 90.550 93.859
Mehr als 5 Jahre 706.955 752.505
 
Summe 818.828 867.896

Die durchschnittliche gewichtete Duration der leistungsorientierten Verpflichtungen belief sich zum 30. September 2016 auf 17,7 Jahre (Vj. 16,2 Jahre).

Für beitragsorientierte Zusagen der betrieblichen Altersversorgung wurden im Berichtsjahr 23.637 T€ (Vj. 22.670 T€) aufgewendet. Diese beinhalten sowohl freiwillige Zusagen als auch die durch den Konzern geleisteten Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung.